Sechs Flüchtlinge erzählen ihre Geschichten

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Auf der Sonnenberg Top-Tagung haben sechs Flüchtlinge aus St. Andreasberg, aus einem nahen Flüchtlingsaufnahmezentrum, ihre Geschichten erzählt, - schreckliche Geschichten über ihre Leiden auf dem Weg nach Europa. 

1. Auf der Suche nach Behandlung für kranken und alten Vater

Nisrin ist aus Aleppo. Ihr Vater war krank. Während der Kämpfe in Aleppo, mussten sie und ihre Schwester ihr Haus verlassen. Sie bezahlten einen Schmuggler um die Grenze zu passieren und kamen mit ihrem alten Vater in ein Flüchtlingslager in die Türkei. Hier mussten sie für die Behandlungen für ihren Vater zahlen, aber Jobs waren rar- sie fanden nur jeden 10. Tag einen Job - und schlecht bezahlt, sodass sie am Ende beschlossen, nach Europa weiter zu ziehen.  

2. Auf der Suche nach Freiheit für sich selbst und ihre Tochter
Gita ist aus Afghanistan. Sie wurde von ihren Eltern gezwungen, eine Person zu heiraten, die sie nicht mag. Frauen in Afghanistan haben keine Freiheit, nur Angst, sagt sie. Deswegen hat sie sich dazu entschlossen, Afghanistan mit ihrer Tochter zu verlassen und nach Deutschland zu gehen, mit dem Gedanken: Meine Tochter soll nicht so ein Schicksal haben wie ich.

Aber es war nicht so leicht. Sie mussten in den Iran, in die Türkei, nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich, bevor sie endlich nach Deutschland gekommen sind. Oft sind sie zu Fuß gegangen und haben dabei Flüsse und Berge überquert. Jetzt ist sie müde, aber sie ist glücklich sich hier als Frau fühlen zu können und zusammen mit ihrer Tochter hier zu sein.

3. Von den Taliban bedroht
Najib ist ein junger Computeringenieur, ausgebildet in der Universität Kabul, und ein Musiker. "Meine Leidenschaft ist Musik zu spielen und das Lächeln auf den Gesichtern der Leute zu sehen", sagt er.

Kurzer Clip mit Najib über das Überqueren der Berge

Eines Tages, als er von einem Musikauftritt zurückkam, zeigte ihm sein Vater einen Brief in dem drin stand, dass er mit dem Musik spielen aufhören soll. Er hat es nicht verstanden und dachte, das wäre ein Scherz. Aber als er ein paar Tage später von einem Fußballspiel zurückkam, haben vier Leute sein Auto gestoppt. "Hast du keinen Brief bekommen? Musik zu spielen ist gegen den Islam", haben sie ihm gesagt. Er sagte ja, und versprach nie wieder in Afghanistan Musik zu spielen.

Sein Vater warnte ihn: Afghanistan ist nicht mehr sicher für dich. Sein Vater warnte ihn auch davor ein Visum für den Iran zu beantragen, da Afghanen im Iran herabschauend behandelt werden. Dann ging er zur türkischen Botschaft und hat nach einem Visum gefragt, aber um dies zu bekommen, muss man in der Türkei ein Haus kaufen, wurde ihm gesagt. Deswegen ist er doch in den Iran gegangen und reiste von dort zur türkischen Grenze, fand einen Schmuggler und akzeptierte es 1.000 Dollar zu bezahlen um sie passieren zu können. Zuerst mussten sie 10 Tage in einem Stall warten. Dann sind sie für 17 Stunden durch den Schnee über die Berge gelaufen. Es waren Kinder, und eine schwangere Frau unter ihnen.

An der türkischen Küste war er zusammen mit einem seiner Cousins. Sie hatten große Schwierigkeiten einen ehrlichen Schmuggler zu finden, aber diese Geschichte wurde von Arif, seinem Cousin, erzählt. "Ich war schockiert als wir nach Griechenland kamen und dort Leute gesehen haben, die auf uns gewartet haben", sagte er. "Das war ein wunderschöner Moment. Die Leute haben sehr menschlich reagiert".  

4. Familienverluste
Haji's Vater war ein Polizist in der Stadt, der viele Freunde in Europa hatte, und oft für Besuche nach Frankreich gefahren ist. Dies führte zu Problemen mit den Taliban. Sein Vater wurde umgebracht. Haji selber hat mit amerikanischen Soldaten und mit einer christlichen Gemeinde zusammen gearbeitet. Als der Mann, der seinen Vater umgebracht hat, selber getötet wurde, kam der Verdacht auf, das Haji sich an ihm gerächt habe. 
Er hat versucht unterzutauchen, aber am Ende musste er das Land mit seiner Familie verlassen. Sie haben ein 1-Monats Visum für den Iran bekommen, aber einen Tag bevor sie gehen wollten, hatte sich Haji's Mutter beide Beine gebrochen. So mussten sie zwei Monate im Iran bleiben. Sie konnten keine Verlängerung für ihren Aufenthalt bekommen.

Sie kamen mit einigen Schwierigkeiten in die Türkei, und hier haben sie einen Schmuggler getroffen und saßen für viele Stunden in einem Bus ohne Essen und Trinken. Seine Mutter ist auf der Fahrt gestorben. Allerdings haben sie es in einem überfüllten Boot nach Griechenland geschafft, aber Haji's Bruder ist dabei von der Kälte krank geworden. Er hat 1 Tag in Athen in einem Krankenhaus verbracht, dann mussten sie weiter nach Mazedonien und nach Serbien, wo der Bruder das zweite Mal ins Krankenhaus gebracht wurde und in Kroatien ein drittes Mal.

Aber jetzt sind sie alle in Deutschland und der Bruder erholt sich. Haji's Hoffnung: Das meine Kinder arbeiten können in diesem Land auch wenn er selber diese Chance vielleicht nicht mehr hat. 

5. Arif's fünf Schmuggler
Arif arbeitete als Fahrer für die U.N. in Kabul, aber er ließ seine Familie in Logar entfernt von Kabul. Eines Tages hat ihn sein Bruder angerufen um ihm zu sagen: Komm nicht nach Hause. Ein paar Taliban sind zu ihrem Haus gekommen und haben gesagt: "Wir wissen, dass dein Bruder für die U.N. arbeitet und mit den Amerikanern in Kabul." Deswegen hat er sich entschlossen mit seiner Frau und seinen zwei- und sieben Jahre alten Kindern Afghanistan zu verlassen.

Als sie in die Türkei gekommen sind, haben sie einen Schmuggler gefunden der 1.800 Dollar pro Person verlangte um sie nach Griechenland zu bringen – auf einem echten Schiff, versprach er, aber das war eine Lüge. Sie haben gewartet, in Pferdeställen geschlafen und sogar in einem Schweinestall übernachtet, aber sind nirgendswo hingebracht worden.

Sie fanden einen zweiten Schmuggler, aber auch er war ein Lügner. Er hat sie vier Tage ohne Essen und Trinken warten lassen und sie dann in einen Wald gebracht wo noch 10 andere Personen warteten. Der Schmuggler sagte: "Wartet, ich werde in einer halben Stunde zurück sein". Sie warteten vier Stunden lang, es wurde dunkel, und die Kinder bekamen Angst.

Schmuggler Nr. 3 sagte, dass er einen besseren Weg kenne, aber er verlangte 2500 Dollar pro Person. Sie müssten ein bisschen warten, wegen des Wetters, sagte er. Sie haben 14 Tage gewartet. Dann eines Nachts gegen Mitternacht sagte er ihnen: "Wir werden gegen 4 Uhr morgens aufbrechen." Das Boot war für 20 Leute ausgelegt, aber es waren 35 an Bord. Sie segelten 20 Minuten lang, dann wurden sie von der türkischen Polizei gestoppt und ins Gefängnis gebracht.

"Sie waren nicht sehr gut zu uns im Gefängnis", sagte Arif. Sie saßen in einer Zelle ohne Fenster und seine Kinder wurden krank. Aber sie bekamen einen Teil ihres Geldes zurück - 2000 Dollar.

Schmuggler Nr. 4 verlangte 2.200 Dollar pro Person – um auf ein sehr kleines Boot zu gelangen. Sie mussten warten bis das Boot voll war, in einem Hotel, und wurden mit anderen Leuten zusammen getan, die wie sie herausgefunden haben, 5.000 Dollar pro Person zahlen mussten. Sie sind rausgesegelt, und nach zwei Stunden haben sie Licht aus Griechenland gesehen. Aber der Kapitän sagte, er habe irgendwo griechische Polizeiboote gesehen, deswegen mussten sie einen anderen Weg nehmen. Die Wellen wurden größer, es war kalt. Eines von Arif's Kindern konnte nicht mehr sprechen, sie dachten, es wäre tot. Sie segelten sechs Stunden lang, dann hatten sie kein Diesel mehr. Sie realisierten, dass die Wellen sie zurück in die Türkei schoben, und tatsächlich, kamen sie zurück von wo aus sie gestartet sind. Alle waren müde, nass und unterkühlt, manche konnten nicht sprechen. Die Schmuggler ließen sie im Wald zurück.

Schmuggler Nr. 5 war auch nicht gut, sodass sie schließlich wieder Schmuggler Nr. 1 genommen haben. Aber jetzt hatte er nur Schlauchboote zur Verfügung für 800 Dollar pro Person. Und dieses Mal haben sie es geschafft, total nass, aber ihnen wurden trockene Kleider gegeben, und jetzt sind sie in Deutschland. 

6. Fahima, beim dritten Mal hat es geklappt
Die 60 Jahre alte Fahima aus Aleppo, Syrien, kam in die Türkei mit Hilfe eines Schmugglers und blieb 2 ½ Jahre dort. Ihr Ehemann war krank. Er hatte Herzprobleme, und Medizin ist teuer in der Türkei, sie konnten sie sich nicht leisten. Sie entschlossen sich, nach Europa zu gehen und fanden einen Schmuggler. 

Sie waren 55 Leute in einem Schlauchboot das für 30 Personen ausgelegt war, und segelten raus, aber sie wurden von der türkischen Polizei geschnappt und für sechs Tage ins Gefängnis gesteckt. Danach versuchten sie es erneut.

Erst beim dritten Mal schafften sie es – Nachdem sie drei Stunden im Wasser waren. In Griechenland waren die Menschen freundlich. Aber nach drei Tagen in Griechenland gingen sie weiter durch Mazedonien, Serbien "und ich weiß nicht wie viele Länder." Fahima wurde auf dem Weg dorthin krank und ihre Beine fingen an weh zu tun. Aber sie haben überlebt.

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